15. SONNTAG im Jahreskreis

Evangelium: nach Matthäus (13,1-9)

 

“Es kamen so viele Menschen zusammen, dass Jesus in ein Boot steigen und darin Platz nehmen musste.“ Jesus hat scheinbar Erfolg. Viele Menschen wollen ihn hören. Und in den Evangelien von Markus und Lukas wird sogar gesagt: “Die Leute waren bestürzt über seine Lehre“. Sie fühlten sich von Jesus angesprochen, innerlich berührt.

Unwillkürlich schauen wir auf unsere heutige Zeit. Wo sind die vielen, die Jesus hören wollen? Sie sind nicht mehr an ihn interessiert, kennen ihn sogar nicht mehr, wissen nicht mehr welche Botschaft Jesus auch für sie heute noch hat. Es sind nur wenige, eine Gruppe, die immer kleiner wird. Es verbreitet sich ein Gefühl der Enttäuschung, der Resignation. Ist das aber die richtige Einstellung?

Wir dürfen nicht vergessen: Der Erfolg von Jesus war nur kurz. Am Ende seines Lebens war Jesus ziemlich allein. Die Männer, die mit ihm mitgezogen waren, sind alle geflüchtet. Nur noch eine handvoll Frauen bleibt in seiner Nähe. Und trotzdem: Die Worte und die Lebensweise von Jesus haben ihn überlebt. Durch Jesus ist eine Weltbewegung entstanden, eine Christenheit, die es auch 2000 Jahre später noch gibt. Und wenn wir feststellen, dass wir in unseren Gemeinden immer weniger werden, dass es eine kleine Gruppe wird, dann dürfen wir nicht vergessen, dass diese kleine Gruppe aus Menschen besteht, die schon 50, 60, 70, 80, ja über 90 Jahre ihren Glauben an Jesus treu geblieben sind. Ist das nicht ein Grund zur Freude?

Immer wieder hört man ein Jammern, dass es keine Kinder und Jugendlichen mehr gibt, die doch die Zukunft der Gemeinden sind. Ist das aber nicht ein Denkfehler? Kinder und Jugendliche verlassen - naturgemäß - die Gemeinde ihrer Eltern, wenn sie erwachsen werden. Nicht sie halten die Gemeinde am Leben. Darüber hinaus: Es ist eine jahrzehnte lange Erfahrung in der Kind- und Jugendpastoral, dass nur dort Kinder und Jugendliche in die Gemeinde integriert werden, wenn ihre Eltern da mitmachen, selbst integriert sind. Aber warum hören die Mehrheit der Eltern nicht (mehr) auf Jesus, kennen ihn sogar nicht mehr, fühlen sich nicht von seiner Botschaft angesprochen und betroffen? Gibt uns Jesus selbst darauf nicht im heutigen Evangelium eine Antwort?

Gott streut auch heute sein Wort aus wie ein Bauer den Samen. Nicht jedes Korn keimt und bringt Frucht. Viele werden nicht einmal wahrgenommen und gerhört. Es gibt viele Gründe dafür:

« Ein Teil von ihnen fällt auf den Weg. Die Vögel kommen und picken sie auf, lassen sie verschwinden. Unsere Massenmedien verbreiten massenhaft Worte und Botschaften, so dass die Worte Gottes nicht einmal mehr bemerkt werden.

« Viele Worte Gottes fallen auf felsigen Grund. Viele Herzen haben einen asphaltigen Boden, so dass die Worte Gottes nicht Wurzel fassen können. Sie verdorren, können ihre Kraft nicht entfalten.

« Viele Worte Gottes fallen in Dornengestrüpp. Menschen haben ihre eigenen, alles überwuchernden Interessen und Sorgen. Die Worte Gottes können sich deshalb nicht durchsetzen, werden erstickt.

« Und trotzdem gibt es auch heute viele Menschen, in deren Herzen ein guter Boden vorhanden ist, wo Gottes Worte wie Körner keimen, wachsen können und viele Früchte bringen.

Das war die Überzeugung von Jesus. Er konnte während der kurzen Zeit seines Auftretens nur eine bescheidene Menschengruppe für ihn, für seine Lebensüberzeugung, für Gott gewinnen.

Aber es geschieht immer wieder, dass Worte von Jesus, die wir schon so oft gehört haben, uns plötzlich innerlich wieder berühren, ergreifen, in uns etwas bewirken, ja uns innerlich verändern. Gott spricht durch die Worte der Bibel, durch die Schönheit der Natur, durch ein gutes Buch, durch Menschen, die uns über ihre Glaubenserfahrungen erzählen und sie vorleben... So wirkt er in unserem Leben. Er streut kleine Samenkörner aus.

Gottes neue Welt wird sich durchsetzen, weil sie - sagt Jesus - zu vergleichen ist mit einem winzig kleinen Korn, das in Stille wächst, sogar Asphalt und Betondecken durchbrechen kann. Jesus macht uns Mut.

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